Montag, 3. Juni 2019

Konsum, Arbeit und Ansprüche minimalisieren und das Leben genießen!

Vorab: Dieses Thema sprengt so dermaßen den Rahmen, dass ich mich hier einigermaßen kurz halten werde und dafür nach und nach verschiede Punkte noch mal in extra Blogeinträgen unter dem Oberbegriff "Minimalismus" veröffentlichen werde.

Das Leben besteht aus einem Teufelskreis aus Konsum, Arbeit, Schulden und Depressionen, wie ich in den letzten Jahren selbst erleben musste.

2002 (da war ich 21 Jahre alt) musste ich gezwungenermaßen in meine erste eigene Wohnung ziehen - Recklinghausen, 44 qm, 2 Zimmer, gar nicht mal so klein für die erste Wohnung. Damals übernahm ich noch die Möbel der Vormieterin, viel Zeugs aus meiner Kindheit und Jugend besaß ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr.

Mein gesamter, persönlicher Besitz passte quasi in einen Renault Kangoo.

Danach folgte eine 60 qm Wohnung und schließlich eine 70 qm Wohnung, in der ich aber nicht mehr alleine wohnte. Meine damalige Beziehung ging nach 4 Jahren in die Brüche und ich zog in meine bis dato kleinste Wohnung: Mülheim an der Ruhr, 37 qm, 1 Zimmer, aber zwei Kellerräume die bis unter die Decke vollgestopft waren! Die kleine Wohnung war ebenfalls reichlich gefüllt.  

Mein gesamter, persönlicher Besitz benötigte rund drei große Mercedes Sprinter. Ein Umzug fand sogar mal mit einem 7,5 Tonnen LKW statt!

Zu der Zeit bekam ich meinen ersten richtigen Vollzeitjob (den ich noch heute ausübe) und ich gab das verdiente Geld fleißig mit beiden Händen aus!
Ich kaufte Haufenweise Krimskrams, Elektronik, Motorräder, Roller, machte Schulden, machte den Autoführerschein, kaufte ein Auto und schließlich eine Eigentumswohnung, die ich an meine Schwester vermietete... allerdings verstritten wir uns, ich musste die Wohnung mit Verlust verkaufen und so stand ich am Ende mit insgesamt 20.000 Euro Schulden da!

2010 kam ich mit meiner jetzigen Freundin zusammen und 2011 zogen wir zusammen nach Bochum: über 70 qm, 2 Zimmer und ein großer Kellerraum. Ich häufte immer mehr Gerümpel an...
2015 zogen wir nach Mülheim in ein Mobilheim mit nur noch rund 40 qm. Dafür musste ich mein Hab und Gut ordentlich reduzieren, weil der Platz einfach fehlte.
Ich konnte mein Zeugs einigermaßen reduzieren und entdeckte so gaaaaanz langsam den Minimalismus für mich.
Ich fing an den Konsum leicht zurückzuschrauben, dafür arbeite ich viel mehr, um meine zwei Kredite (20.000 Euro Altlasten und noch mal 20.000 für das Mobilheim) abzubezahlen.
2018 mussten wir aus rechtlichen Gründen das Mobilheim wieder verkaufen (immerhin ohne Verlust) und zogen zurück nach Bochum. Wir entschieden uns bewusst für eine etwas kleinere Wohnung: 48 qm, 2 Zimmer, mit Garten und Kellerraum. Wir leben inzwischen so minimalistisch (besonders meine Freundin), dass die Wohnung fast schon leer wirkt. Kein Vergleich zu den vollgestopften Wohnungen zuvor und auch der Keller ist relativ luftig gefüllt. 
Wie ich mein Hab und Gut erfolgreich reduzieren konnte, werde ich später in einem extra Blogeintrag noch ausführlicher erzählen.

Die 20.000 Euro Altlasten bereiteten mit große Sorgen und schlaflose Nächte, ich war nervlich echt am Ende und hatte (unbegründete) Angst meinen Job zu verlieren und dann meine Schulden nicht mehr abbezahlen zu können. Ich arbeite sehr viel und gab weniger aus, um die Schulden möglichst schnell abzubezahlen können. Anfang 2018 kaufte ich mir dennoch den Smart Fortwo und den Honda Roller auf Pump. Neben den Ratenzahlungen legte ich zusätzlich jeden Monat mindestens(!) 600 Euro zur Seite, um den Kredit Ende 2018 schließlich vorzeitig abbezahlen zu können. Endlich schuldenfrei!
Ich beschloss meine Ausgaben von nun an möglichst gering zu halten und ich reduzierte ganz langsam meine Arbeitszeit. Ein tolles Gefühl!

Knapp 2 Monate lang ging es mir hervorragend und ich hatte keinerlei Sorgen wegen Finanzen, Job oder Zukunft, da traf mich der nächste Schicksalsschlag im Januar 2019: diesmal auf menschlicher Ebene... Wieder war ich verzweifelt, am Boden zerstört und ich konnte wieder nicht vernünftig schlafen. Kann ich echt immer nur unglücklich sein?
Das war endgültig der Zeitpunkt, wo ich die Schnauze gestrichen voll hatte und generell extrem umdenken musste:

Es kann nicht sein, dass das persönliche Glück und Wohlbefinden immer nur von Geld, Job, Konsumgütern und anderen Menschen abhängig ist!

Um mein Leben richtig genießen zu können, muß ich mich also von allen Zwängen und Verpflichtungen verabschieden - so gut es eben möglich ist...

Menschen: 
Im Kopf befreite ich mich von der Zwangsvorstellung, dass bestimmte Menschen unglaublich wichtig für einen wären und dass man ohne sie unglücklich wäre. Menschen kommen und gehen, sie bringen Glück und Unglück. Das darf man sich alles nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Man sollte den Moment so gut wie möglich genießen und dabei nie vergessen, dass es jeden Moment vorbei sein könnte.
Man kann sich auch auf keine Menschen verlassen, wie ich oft genug selbst erleben musste: sei es Familie, Kumpels, Kollegen oder Exfreundinnen. Ich wurde einfach zu oft enttäuscht! Immer und immer wieder...
Aber das macht mir nichts mehr, ich habe daraus gelernt und habe jetzt eine entsprechende Einstellung: "Wer sich auf andere verlässt, der ist verlassen!" oder auch ganz banal: "Ich hasse Menschen!"  

Konsumgüter:
Wir haben eine tolle Wohnung mit einem tollen Garten, die pro Person gerade mal knapp 300 Euro kostet - warm mit allen Nebenkosten wie Strom, Versicherungen, Internet und was sonst noch so anfällt. Für mich ist es inzwischen unvorstellbar, wie man sich 20, 30 oder gar 40 Jahre lang mit dem Abbezahlen eines viel zu großen Hauses beschäftigen kann.
Auto, Smartphone, Fernseher: Alles muß groß und teuer sein und möglichst regelmäßig neu gekauft werden. Bullshit! Kleinwagen statt SUV, Smartphone und Fernseher gehen auch paar Jahre länger. Nicht immer nach dem Größten und Teuersten schauen!

Ich kaufe nicht nur weniger, ich versuche zudem immer mehr nach dem Prinzip des Minimalismus zu leben und meinen vorhandenen Besitz zu reduzieren. Viel Besitz stresst das Unterbewusstsein, das habe ich deutlich gemerkt! Die letzten paar Jahre ich habe ich verdammt viel verkauft, verschenkt und weggeworfen (was echt gar nichts mehr wert war) und nun besitze ich so wenig wie lange nicht mehr.

Als Beispiel  der Kleiderschrank: Früher hatte ich den typischen 2 Meter breiten und 2 Meter hohen Kleiderschrank, der bis auf den letzten Zentimeter gefüllt war. Heute besitze ich nur noch eine kompakte Kommode, von der gerade mal vier Fächer mit meiner Kleidung gefüllt sind.

Ich arbeite weiter daran, noch weniger zu besitzen und vor allem noch weniger zu konsumieren. Zu dem Thema werde ich in einiger Zeit noch mehr schreiben.

Arbeitsplatz und Geld:
Auch dieses Thema werde ich in naher Zukunft detaillierter ausführen. Nur so viel: da ich meine Fixkosten drastisch reduzieren konnte, kann ich auch meine Arbeitszeit reduzieren. Von ehemals 200 Stunden pro Monat arbeite ich aktuell nur noch 168 Stunden und vermutlich werde ich in naher Zukunft nur noch 156 oder gar 132 Stunden im Monat arbeiten (was bei meinen 12-Stunden-Schichten einer 2,5-Tage-Woche entspricht).

Ohne Schulden und übermäßigen Konsum kann man weniger arbeiten!

Ich konnte meine gesamten Fixkosten (wirklich alles inkl. Auto!) auf 700 Euro drücken - so habe ich zum Beispiel bei einem 1400 Euro Gehalt satte 700 Euro übrig, die ich mir auf den Kopf hauen oder sparen kann. Bei der gewünschten 2,5-Tage-Woche hätte ich netto etwa 1050 Euro, ich könnte die Fixkosten auf 550 Euro drücken und hätte so immer noch 500 Euro zur freien Verfügung. Das reicht für ein angenehmes Leben mit viel Freizeit! Schaffe ich es auf mein Auto komplett zu verzichten, würde ich noch mal enorm viel Geld einsparen.

Wohlbefinden: 
In mir macht sich langsam Seelenfrieden breit... naja, nenne ich es doch lieber Wohlbefinden, das ist weniger abgedroschen.
Ich habe keine Last mehr auf den Schultern, was Geld/Schulden, Job und Menschen angeht. Keine Verpflichtungen, keine Verantwortung, keine Zukunftsängste.
Ich arbeite weniger, habe mehr Freizeit, ich genieße meine Zeit, ich werde langsam zum Müßiggänger und Minimalisten.
Ich bin noch nicht am Ziel, ich bin eher noch relativ am Anfang, aber ich komme recht schnell voran. Besonders eilig habe ich es zum Glück eh nicht.
Es läuft :)


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