Montag, 30. Juli 2018

Oculus Go - die VR-Brille für jedermann!

Endlich ist die virtuelle Realität massentauglich geworden, denn mit der Oculus Go gibt es nun eine autarke, gute VR-Brille, die durchaus erschwinglich ist und unterm Strich ein super Preisleistungsverhältnis hat: 219 Euro für die 32 GB Version, bzw. 269 Euro für die 64 GB Version

Was gab es bisher? 
Ein autarkes System wie die Oculus Go gab es bis jetzt gar nicht, man musste immer auf Systeme zurückgreifen. Drei dieser Systeme habe ich bereits vor knapp 2 Jahren preislich miteinander verglichen:

Was kosten Oculus Rift, HTC Vive und Playstation VR? 
Für ein Komplettsystem inkl. Brille und PC zahlt man dann schon mal bis zu 2400 Euro, das Komplettsystem der Sony Playstation ist inzwischen ab ca. 800 Euro zu haben.
VR-Brillen, in die man ein Handy rein steckt (z.B. Google Cardboard), sind zwar sehr günstig, taugen aber kaum was - nur die GearVR ist da ein wenig anspruchsvoller, ist aber auch wieder teurer: rund 129 Euro nur für die Brille mit Controller, zusätzlich benötigt man noch ein hochpreisiges Samsung Smartphone, welches man in die Brille steckt.

Links die Playstion VR mit Kabeln und Headset, rechts die Oculus Go mit Batterie Pack


Was ist an der Oculus Go anders?
Für die Go benötigt mein keine Spielekonsole, keinen High-End-PC und auch kein teures Smartphone. Die Go ist ein Stand-Alone-System und nur zur Einrichtung und Verwaltung benötigt man ein Smartphone, dieses muß dafür aber nicht gut sein. Die Go benötigt zudem keinerlei Kabel bei der Benutzung, selbst Lautsprecher und Mikrofon ist integriert!
Vergleicht man die Go mit anderen Systemen, ist die Go unterm Strich das günstigste Gesamtpaket, aber keinesfalls "billig": das Preisleistungsverhältnis ist unschlagbar gut, man bekommt für ab 219 Euro eine Menge geboten! Die Go hat eine Auflösung von 2560x1440 Pixeln und schlägt damit die PSVR, Vive oder Rift die nur 1920x1080 bzw. 2160x1200 Pixeln haben.
Gespart wird beim Tracking: Da die Go keine externen Sensoren zur Bewegungserkennung hat, ist man auf drei Freiheitsgrade beschränkt (schwenken, neigen und drehen des Kopfes), während die Geräte mit externen Sensoren sechs Freiheitsgrade haben (zusätzlich hoch/runter, rechts/links und vor/zurück des ganzen Körpers).


Unvorteilhafte Akkulaufzeit verlängern:
Da die Go keine Kabel benötigt, wird sie mit einem integrierten Akku betrieben, welcher eine Kapazität von 2600 mAh hat und je nach Nutzung 2 bis 3 Stunden hält - das finde ich etwas wenig und das ist für mich auch der einzige Kritikpunkt an der Go.
Laut der Anleitung sollte man die Go nicht während der Benutzung aufladen - das Gerät könnte überhitzen und schaltet sich dann vorsichtshalber ab.
Ein kleiner Trick verhindert eine Überhitzung: Man verwendet einen geringeren Ladestrom! Entweder man kramt irgendwo ein altes Ladegerät raus, welches nur 1 Ampere Output hat, oder man macht es wie ich und holt sich eine Powerbank mit 1A Output. Von diesen Powerbanks gibt es inzwischen erstaunlich wenig, denn 2A oder mehr sind inzwischen Standard.
Ich habe von Anker eine kompakte Powerbank mit 1A und 3200 mAh geholt, damit komme ich insgesamt auf ca. 6 Stunden - das reicht mir vollkommen!

Oculus Go mit Powerbank - das USB-Kabel könnte kürzer sein

An die Powerbank habe ich Klettband geklebt und so kann ich die Powerbank in die obere Schlaufe der Go stecken, ohne daß was verrutscht. Das USB-Kabel könnte ein ganzes Stück kürzer sein (10 cm würden reichen), aber auch so stört der Anbei nicht im geringsten. Man ist mit dieser Lösung in seiner Bewegungsfreiheit weiterhin nicht eingeschränkt, was bei einem Ladegerät nicht der Fall wäre.


Spiele, Apps und Erlebnisse:
Die Go ist nicht so leistungsstark wie eine Playstation 4 oder ein High-End-PC, entsprechend findet man für die Go keine aufwendigen AAA-Spiele, sondern eher einfache Spiele... aber das ist gar nicht so schlimm! Stattdessen punktet die Go mit einer riesen Spiel- und App-Auswahl, die ich bei der Playstation ehrlich gesagt vermisse.
Ich erinnere mich noch an meine allererste VR-Erfahrung mit so einer billigen Brille, wo man sein Handy rein steckt: ernstzunehmende Apps oder Spiele gab es gar nicht, das beste war eine einfache, virtuelle Achterbahn, die nicht besonders toll war. Das Erlebnis war enttäuschend, ich nutzte die Brille 2-3 mal und verkaufte sie dann wieder.
Dann holte ich mir einige Zeit später die Playstation VR (für alles zusammen 1200 Euro!) und erst da kam der große Wow-Effekt! Grandiose Spiele mit ziemlich genauen Tracking machten die virtuelle Welt tatsächlich zu einem tollen Erlebnis. Nur ist das wegen dem hohen Preis eben nichts für jeden und die Auswahl an Spielen und Apps ist weiterhin sehr beschränkt.
Bei der Go ist das anders: der Einstiegspreis von 219 Euro ist für sehr viel mehr Leute erschwinglich und das VR-Erlebnis ist um ein vielfaches besser als bei den Einsteck-Brillen, so daß viel mehr Leute auch dabei bleiben - so entsteht eine große Community um die Go.
Die Oculus Go und die Samsung GearVR teilen sich übrigens einen App-Shop - so werden viel mehr Leute erreicht und entsprechend viele Spiele/Apps gibt es. 
Bei der Playstation VR sieht das sehr viel magerer aus... kaum Leute, kaum Nachfrage, kaum Angebote. Ich hoffe das ändert sich noch in den nächsten Jahren!
Viele, viele kleine Spiele, soziale Treffpunkte mit Live-Events, interessante Apps, 360 Grad 3D Videos (ja, auch Pornos) und vieles mehr machen die Go und die virtuelle Welt einfach wahnsinnig interessant und spaßig!


32 oder 64 GB Speicher? 
Die Oculus Go gibt es in zwei Varianten, die sich nur durch den Speicherplatz unterscheiden:

   

Ich entschied mich für die 64 GB Version und das war eine gute Entscheidung. Zwar sind die einzelnen Apps und Spiele verhältnismäßig klein (meistens deutlich unter 1 GB), aber hier macht die Masse den Speicher voll! Allein in den drei Tagen, wo ich auf die Oculus Go gewartet habe, habe ich mir knapp 50 Spiele und Apps ausgesucht, die dann am ersten Tag direkt auf die Go wanderten und über 20 GB einnahmen - das wäre bei 32 GB Speicher schon sehr knapp, weil wegen des Betriebssystems ja keine vollen 32 GB zur freien Verfügung stehen!
Hinzu kommen Videos: diese kann man zwar auch streamen, aber heruntergeladen laufen die einfach flüssiger.
32 GB sind ausreichend, wenn man nicht alle Apps/Spiele/Dateien gleichzeitig auf der Brille haben muß, sondern regelmäßig aussortiert und nur das wirklich Nötigste auf der Brille speichert. Wer sich keine Sorgen um den Speicherplatz machen möchte, der sollte für 50 Euro extra zur 64 GB Version greifen. Das lohnt sich! 


Fazit:
Die Oculus Go ist einerseits ein günstiger und guter Einstieg für Leute, die noch gar keine VR-Erfahrung haben, aber sie ist auch eine prima Ergänzung zu einer Playstation VR, Oculus Rift oder HTC Vive, da man die Go "mal eben" aufsetzen kann, ohne Minuten lang Kabel einstecken zu müssen und irgendwelche Systeme hoch fahren zu müssen.
Das Preisleistungsverhältnis ist aktuell einfach unschlagbar und der Oculus Shop bietet eine riesen Auswahl an guten und interessanten Spielen/Apps.
Also egal ob VR-Neuling oder VR-Freak: zuschlagen!